Hier stellen wir Ihnen Bücher und Filme etc. vor, die uns gefallen.

Theater

Der Eingebildete Kranke am Hessischen Staatstheater Wiesbaden

 

Unser Vorstandsmitglied Uli Czerwanski hat eine Vorstellung in Wiesbaden besucht. Hier seine Beschreibung:

Molières Theaterstück "Der eingebildete Kranke" wird bezeichnet  als "Komödie der Weltliteratur", wobei die Aufführung wenig Gelächter hervorruft. Zu dominant wirkt der Eindruck, den die Hauptperson Argan hinterläßt. Auch ohne lange Erklärungen verdeutlicht er durch Kleidung, Körperhaltung, Gestig und Mimik, von welch vielfältigen Erkrankungen er betroffen sei. Dieser Eindruck wird verstärkt durch das Bühnenbild und die Kleidung der (meisten) Darsteller, wobei graue und schwarze Farbtöne das Bild bestimmen. Seine innere Haltung möchte Argan perfektionieren durch die Installation eines äußeren Hilfesystems.  Seine Tochter Angélique etwa möchte er mit dem künfigen Arzt Thomas Diafoirus verheiraten, wodurch er sich schnelle Diagnosen, preiswertere Rezepte und Medikamente erhofft. Nach Darstellungen von (vergeblichen) Heilungsversuchen, Schuldzuweisungen und Intrigen kann deutlich werden, dass sich hinter Verdauungsproblemen und anderen Einschränkungen des "eingebildeten Kranken" ein großes Problem verbirgt mit seinem menschlichen Dasein und den Kontakten zu den anderen Menschen (Epilog des Hauptdarstellers). 

Wer sich von dieser Weltanschauung nicht überzeugen läßt, kann die Aufführung verlassen mit einem Schmunzeln und dem Gefühl, eine lebendige, überzeugende Komödie erlebt zu haben.

Weitere Informationen zu Terminen und Eintrittspreisen u.a. im Internet unter www.staatstheater-wiesbaden.de.

 

 

 

Film

Eigentlich hat der 45-jährige Witwer Erwan nie daran gezweifelt, wer sein biologischer Vater ist. Durch Zufall erfährt er jedoch, dass er all die Jahre falsch gelegen hat. Wie sich herausstellt, ist einer seiner Nachbarn, der spitzbübische Rentner Joseph, sein wahrer Erzeuger. Die Erkenntnis wirft einige Fragen auf. Zu allem Überfluss taucht dann auch noch Anna auf und verdreht Erwan den Kopf. Wie sich bald herausstellt, ist Anne wiederum seine Halbschwester. Darüber hinaus ist Erwans Generation nicht der einzige Teil der Familie, der ein echtes Vater-Problem hat. Denn auch seine Tochter Juliette soll bald ein Kind bekommen. Von wem will sie allerdings partout nicht verraten.

Die französische Regisseurin Carine Tardieu erzählt die skurrile Geschichte einer Familie, die so verflochten ist, dass die Mitglieder selbst den Überblick zu verlieren scheinen. Messerscharf und charmant zugleich beobachtet die Komödie Generationenkonflikte und stellt die Frage, wie das genau funktioniert mit der Vaterschaft.

 

 

 

 

Buch

111 Gründe, Frankreich zu lieben

Die beiden Journalistinnen Daniela Kahls und Evi Seibert haben als ARD-Korrespondentinnen in Paris viele französische Eigenarten kennengelernt.

In diesem Buch lassen sie uns daran teilhaben - faktenreich und dabei gut lesbar beschrieben, was häufig zum Schmunzeln führt mit dem Wunsch, sofort "noch ein Kapitel" zu lesen.

 

Dabei werden Besonderheiten französischer Regionen (u.a. Paris,  Bretagne, "Sch'ti-Land") genauso beschrieben wie charmante Eigenheiten von Tischsitten, Feiertagsgebräuchen und politischen Zusammenhängen. 

 

Humoristisch angehaucht ist die "Liebeserklärung an das schönste Land der Welt" (Untertitel) eine Bereicherung für frankophile Einsteiger wie Fortgeschrittene.  

 

Daniela Kahls und Evi Seibert, 111 Gründe, Frankreich zu lieben, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Uli Czerwanski

 

 

 

Film

Der Wein und der Wind

Bewegendes Familiendrama von Regisseur Cédric Klapisch um drei Geschwister, die sich auf dem Weingut ihres verstorbenen Vaters wieder näher kommen.

Es ist Spätsommer im Burgund und die Weinernte steht bevor. Der dreißigjährige Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Sein Vater liegt im Sterben und seine Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil), die das Gut in der Zwischenzeit aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen.

Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht.

 

 

 

Film

"Eine Komödie im Mai" von Louis Malle

 

Mai 1968 in der südfranzösischen Provinz. Milou (Michel Piccoli) muss die Beerdigung seiner Mutter organisieren. Nach und nach trudelt die weit verzweigte Familie auf dem großen, alten Weingut ein. Versammelt sich mal um die Verstorbene, die aufgebahrt im Wohnzimmer liegt, mal vor dem Radio, um die neuesten Nachrichten aus Paris zu hören. Denn da sind die Studenten auf der Straße, angeführt von „Dany le Rouge“, während De Gaulle offenbar untergetaucht ist. Man diskutiert die „Lage“, streitet ums Erbe: alte Geschichten und alte Liebschaften kochen wieder hoch. Und dann erreicht die Mairevolution auch die Provinz: Die Totengräber streiken, ein Laster voller Tomaten hängt in dem Nest fest, weil ihn die Barrikaden nicht Richtung Hauptstadt lassen. Und aus Angst vor den Revolutionären verbringen alle auch noch gemeinsam mit den eigentlich verhassten Großindustriellen des Ortes eine Nacht im Wald. Am nächsten Morgen ist der ganze Spuk vorbei...

 

50 Jahre ist das jetzt her. Regisseur Louis Malle hat daraus vor 20 Jahren eine Komödie gemacht, die liebevoll und skurril zugleich ist: ein Sittengemälde. Er selbst sagt über seinen Film: „Wir glaubten, wir würden die Wirklichkeit filmen, doch hinter dieser Wirklichkeit steckte immer noch eine andere Wirklichkeit. Die Wahrheit war immer anders und vielschichtig.“ 

Jetzt im Mai 2018 kann man sich „Eine Komödie im Mai“ gut nochmal angucken: Eine Geschichte aus längst vergangener Zeit, denkt man. Vielleicht aber auch nicht. Den Film gibt es deutsch/französisch auf DVD.

Marianne Lechner

 

 

 

Buch

Catherine Simon ist das Pseudonym von Sabine Grimkowski, die bis Ende 2017 als Redakteurin beim SWR arbeitete. Sie ist begeisterte Normandie-Kennerin und hat sich auch mit Marcel Proust beschäftigt, der die Sommer meist in Deauville-Trouville verbrachte. Ihre Romanfigur Kommissar Leblanc hat sich aus Paris nach Deauville versetzen lassen. Sein erster Fall handelt von der Aufklärung zweier Morde - an dem armen Tagelöhner Manu und dem reichen Fischhändler Monsieur de Montfort-Risle.

Der Kommissar ist kein Kostverächter, was sowohl für kurze Liebschaften als auch seine Vorliebe für gutes Essen gilt. Interessant sind die Aufzählungen seiner Mittagsmenüs, die er meist im Hotel Central einnimmt.

Die Landschaft um Deauville und Honfleur wird treffend geschildert - ebenso die politischen Einflussversuche: Wenn der Bürgermeister schnelle Aufklärung mit "genügend Fingerspitzengefühl" fordert, um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, was dem Tourismus abträglich wäre. 

Großen Raum nimmt auch die weltweite Verflechtung und Auseinandersetzung um den Kollaps der Fischwirtschaft ein (Aquakultur in Norwegen, Billigimporte aus Chile, Viktoriaseebarsch aus Afrika...).

Auch die Historie um Marcel Proust kommt nicht zu kurz.

Insgesamt ein lesenswerter Kriminalroman, der Appetit auf die weiteren Fälle von Kommissar Leblanc macht. Erschienen als Goldmann Taschenbuch. Preis ca. 9€.

Dieter Brandt

 

 

Buch

Paris um 1860. Der Autor Ross King beschreibt anschaulich und faktenreich - und dazu auch noch gut lesbar - die (kunst)historischen  Zusammenhänge, in denen Édouard Manet (1832 -1883) und seine Zeitgenossen ihre Werke schufen. Es ist eine Geschichte von Kämpfen, Niederlagen und späten Triumphen. Die zunächst belächelten und verspotteten "Impressionisten" werden ebenso beschrieben wie Hauptwerke von Manet ("Absinthtrinker", "Olympia", "Die Erschießung Kaiser Maximilians"). Der Leser erfährt aber auch viel über die politische Rahmenbedingungen (Politik Napoleon III., Weltausstellungen) und die Biografien von Künstlerfreunden Manets. 

Titel und Umschlagbild des Buches beziehen sich auf das berühmte Bild "Le Déjeuner sur l'Herbe" (Frühstück im Grünen), das vom damaligen Kaiser Napoleon III. ebenso als "schamverletzend" abgelehnt wird wie von der Jury des "Pariser Salon" (1863). Das Buch ist erschienen im Knaus Verlag (Random House), rund 500 Seiten (Hardcover). Preis ca. 25 Euro.

Uli Czerwanski

 

 

Film

Paul und Sali sind ein glückliches Paar. Sie haben einen kleinen Blumenladen in Paris eröffnet und es gelingt ihnen sogar, ihre Familien, die aus dem Senegal stammen, mit hinreichend Traditionswahrung glücklich zu machen. Mehr als alles andere wünschen sie sich ein Kind, seit Jahren läuft der Adoptionsantrag. Eines Tages klingelt das Telefon: der kleine Benjamin könnte neue Eltern gebrauchen. Das Baby ist hinreißend: süß, pflegeleicht und – weiß! Paul und Sali verlieben sich sofort in den kleinen Racker. Da der liberale Fortschritt der Welt Patchworkfamilien jeglicher Couleur fest etabliert hat, sind sich Paul und Sali sicher, dass schwarze Eltern mit einem weißen Baby offene Türen einrennen werden. Doch als Sali beim Kinderarzt und auf dem Spielplatz stets nur für die Nanny gehalten wird und die senegalesischen Großeltern erst in eine Farbkrise und dann in eine Depression verfallen, stellen sie fest, dass die Welt doch nicht so bunt ist, wie sie dachten.